Grüne Autos bauen

Die Elektromobilität ist ein potentielles Arbeitsgebiet für Ingenieure, das auch gesellschaftlich zur Zeit großes Interesse erfährt. Besonders im Zuge des Klimawandels ist es sinnvoll sich für alternative Automobilkonzepte einzusetzen. Aber ist es für einen Ingenieur erstrebenswert in einem solchen Bereich zu arbeiten?

In solchen wachsenden Bereichen gibt es eine hohe Innovationsdichte, was für viele dem Bedürfnis entgegen kommt, sich selbst zu verwirklichen. Die Entwicklung einer gänzlich neuen Technologie hat immer mehr Potential als die graduelle Verbesserung bestehender Technik. Zum Beispiel bei der Arbeit an Verbrennungsmotoren, die es natürlich immer noch gibt, kann der einzelne deutlich weniger bewirken.

Jedoch möchte ich auf einen anderen Aspekt der Elektromobilität eingehen: Mir hat es gut gefallen in diesem Bereich zu arbeiten, weil ich danach strebe etwas sinnvolles zu tun. Nur noch wenige bestreiten zum Glück die Existenz des Klimawandels sowie den Menschen als dessen Verursacher. Da scheint es erstrebenswert sich für eine Reduktion des CO2 Ausstoßes einzusetzen. Und wenn bei einer Revolution jeder das tun sollte, was er am Besten kann, dann ist das für einen Autobauer wohl das Bauen besserer Autos. Aber wie entscheidet man, was sinnvoll ist?

Grundsätzlich gibt es ein Gefühl, dass man bei einer Arbeit hat. Es definiert sich darüber, in wie fern wir unser Handeln mit unserem Gewissen vereinbaren können. Wenn man sich eine Skala von Arbeitsfeldern vorstellt, dann stünde am einen Ende die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen und am anderen die Arbeit bei einer gemeinnützigen Organisation wie Ingenieure ohne Grenzen. Dies wäre die Skala der moralischen Ver­tret­bar­keit von Betätigungsfeldern für Ingenieure. Die Elektromobilität liegt irgendwo auf dieser Skala, wenn auch eher am einen Ende. Solche Moralvorstellungen sind hauptsächlich gesellschaftlich geprägt.

Eine persönliche Herangehensweise ist die direkte Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Tätigkeit. Folgende Definition von Sinn hat mein Lieblingssoziologe Luhmann geprägt:

„[Sinn ist] allgemein die Einheit der Differenz von Aktualität und Possibilität des in Sinnsystemen als autopoietischen Systemen möglichen sinnhaften Erlebens und Handels.“ (Niklas Luhmann)

Auf den ersten Blick wirkt dieses Zitat sehr kryptisch. Aber es bedeutet zumindest nach meiner Interpretation nichts anderes, als alles was vorhanden ist und im Bereich des Möglichen liegt Sinn ergibt. Menschen, genauer psychologische Systeme sind solche Sinnssysteme. Von allen auf diesem wärmer werdenden Planeten lebenden Wesen ist der Mensch sogar die einzige solche Spezies.

Bezogen auf die Elektromobilität ist die Frage weniger, ob eine Tätigkeit in der Branche sinnvoll ist, da so ziemlich jeder eine Möglichkeit finden wird in diesem Bereich zu arbeiten. Damit wäre sie sinnvoll. Vielmehr ist die interessante Frage, ob die eigene Sinndefinition nicht andere Tätigkeiten ausschließt. Wenn man zum Beispiel seine Berufstätigkeit hauptsächlich über den Lebensunterhalt definiert, wird eine ehrenamtliche Tätigkeit nicht in Betracht kommen. Genau genommen wäre dann die ehrenamtliche Arbeit, zum Beispiel in der Altenpflege, sinnlos. Wenn man dagegen etwas tun will das anderen hilft, sind es häufig ehrenamtliche Arbeiten, die Sinn ergeben. Für die meisten Menschen wird diese Definition des Sinnbereichs aus sehr vielen unterschiedlichen Aspekten bestehen. Es ist auch vorstellbar, dass sie sich gegenseitig beeinflussen. Nicht umsonst sind Stellen bei der Bundeswehr ziemlich gut bezahlt.

Porsche 918 Spyder (Quelle: porsche.com)

Das Entwickeln von Elektrofahrzeugen lässt sich somit als erstrebenswert definieren. Es entspricht einem ethisch begründeten Bedürfnis nach Gemeinnützigkeit. Wenn man sein Sinnverständnis über Gemeinnützigkeit definiert, kann je nach Ausprägung Elektromobilität ein sinnvolles Arbeitsgebiet sein. Elektromobilität sorgt einfach für ein gutes Gefühl. Das scheint auch die Automobilbranche begriffen zu haben. Fahrzeuge wie der 918 Spyder von Porsche werden sicherlich keinerlei Einfluss auf den Klimawandel haben. Die Stückzahl ist nämlich auf 918 (wie passend) begrenzt. Doch wirft ein solches Projekt ein grünes Licht auf den Hersteller der Autos mit den sonst lauten, stinkenden Motoren.

Ein gewisses Problem der Elektromobilität ist, dass in Deutschland ein Elektroauto immer noch ein Hingucker ist. Nicht, weil das Design teilweise so extravagant ist, sondern weil man Elektrofahrzeuge so selten auf deutschen Straßen sieht, wie ein Porsche als die noch was Besonderes waren. Deutschland gehört nach wie vor zu den größten Automobilherstellern weltweit. Warum gibt es gerade hier keine effektive Förderung der Elektromobilität? In Norwegen haben diese Förderungen dazu geführt, dass der Tesla Model S das meistverkaufte Auto überhaupt war. Generell zeigen andere Länder deutlich mehr Engagement, wenn es um Förderungen in diesem Bereich geht.

Abgesehen davon sehen die meisten Versuche unserer Automobilindustrie sehr hilflos aus. BMW an dieser Stelle mal ausgenommen erinnern Elektrofahrzeuge deutscher Hersteller an das Werk eines Hobbybastlers: Benzinmotor raus – Elektromotor rein. Eine Alternative stellen noch Imageprojekte wie das oben genannte dar. Aber geholfen ist damit auch niemandem. Elektrofahrzeuge müssen vollständig neu entwickelt werden. Um nur einige Unterschiede zu nennen: Sie müssen deutlich leichter sein, brauchen einen viel kleineren Motorraum, dafür aber Platz für Batterien.

Wer eine Arbeitsstelle sucht, in der man etwas sinnvolles tun kann, das im Bereich der eigenen Möglichkeiten liegt, mag in der Elektromobilitätsbranche gut aufgehoben sein. Um wirklich etwas nachhaltig zu bewegen reicht jedoch diese Herangehensweise eines Ingenieurs nicht aus.

 

4 Gedanken zu „Grüne Autos bauen

  1. Stefan Pan

    Elektrofahrzeuge sind hier bei uns in der Nachbarschaft scheinbar ein großes Thema. Ich weiß allein von drei Ladestationen im Umkreis von 100 Metern. Ein sehr schöner Artikel!!!

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  2. Patrick Ozz

    Ich sehe das von dir genannte Problem des Elektroauto als Hingucker eher weitaus Positiver. Da dadurch in gewisser weise auch ein Neid entsteht. Viele wollen an sich ein E-Fzg. aber zögern halt noch aus unterschiedlichen Gründen (geringe Reichweite o.ä.). Dennoch sehenich es positiv wenn ich mit dem i3 durch Stuttgart fahre und alle sich umdrehen und mit dem Finger auf mich zeigen. 🙂

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