Kommunismus im Internet

Was herrscht im Internet? Gibt es so etwas wie eine politische Ideologie? Ich möchte erklären, warum ich davon ausgehe, dass man von Kommunismus sprechen kann der im weltweiten Netz herrscht.

Ich möchte kein neues Loblied auf das Internet anstimmen. Zum Glück wird auch nicht mehr in jedem Vortrag zu Thema „soziale Medien“ erklärt was genau jetzt dieses „Web 2.0“ eigentlich bedeutet. (Sonder nur noch in jedem Zweiten) Aber es ist schon beachtlich, was dieses vernetzen mit uns gemacht hat. Es hat eigentlich nur damit begonnen, dass ein Computer mit einem andern kommunizieren konnte. Dann kam jemand auf die Idee das mit so ziemlich allen Computern auf der Welt zu machen. So sind sich dann schon mal unsere Computer sehr viel näher gekommen. Und spätestens als die Menschen immer näher zu ihrem Computer kamen und ihn sogar in die Hosentasche stecken konnten, spätestens da waren wir uns alle viel näher. Wir können uns einfach besser erreichen. Wir können nicht nur mit den Leuten reden die in unserem Dorf leben, sondern mit der ganzen Welt – mit dem „globalen Dorf“.

Die Wikipedia zum Beispiel ist eines der großartigsten Projekte die das moderne Netz hervorgebracht hat. Sie wurde ungefähr in der Hälfte meiner Lebenszeit gegründet am 15. January 2001. Ich kann mich noch erinnern, als uns in der Schule ein Lehrer so viel sagte, wie: „Ihr wisst schon, dass da jeder einfach irgendwas rein schreiben kann. Das dürft ihr natürlich niemals als Quelle benutzen.“ Heute hat diese Enzyklopädie eine anderen Status erreicht. Vielleicht hat auch der Lehrer von damals erkannt, dass er in der Wikipedia aktuellere, mehr und auch bessere Informationen bekommt als in seinem alten Brockhaus in 30 Bänden. Das faszinierendste an diesem Projekt ist, dass es nicht auf eine einzelne Person oder konkrete Gruppe zurückzuführen ist. Das macht es womöglich für viele Menschen auch schwierig den Informationen die sie in der Wikipedia finden zu vertrauen. Letzten Endes geht es nämlich um Vertrauen. Dieses erfordert aber immer eine Identität. Man muss schließlich etwas vertrauen. Und es fällt den meisten Menschen der Neuland-Generation offensichtlich leichter den Brockhaus Verlag als Identität an zu erkennen, als die „Internetgemeinschaft“.

Das Internet (Quelle: wikimedia.org)

Aber wo befindet sich jeder einzelne in dieser Gemeinschaft? jedenfalls nicht zwangsläufig dort wo er sich in der Weltgesellschaft befindet. Durch die permanente Kommunikationsmöglichkeit zu allen möglichen Menschen an allen möglichen Orten ist man nicht mehr so stark vom Ort abhängig. Ich habe mehr Möglichkeiten als den lokalen Verein der freiwilligen Feuerwehr, um soziale Kontakte zu finden. Aber es können nicht nur lokale Distanzen überwunden werden. Jeder hat auch eine gewisse Wahlmöglichkeiten was die eigene Identität angeht. Anstatt in meinem Ort als eine bestimmte Person bekannt zu sein, kann ich nun wählen, in welchem Kontext welcher Internetcommunity ich wie auftreten möchte. Der oben erwähnte Begriff des globalen Dorfs wurde vom Medienphilosophen Marshall McLuhan geprägt. Damit ist zum einen gemeint, dass die globalisierte Welt zusammen wächst und somit durch die entstehende Nähe funktioniert wie ein Dorf. Dieser Begriff wurde zwar vor der Zeit des heutigen Internet generiert, jedoch häufig in diesem Zusammenhang benutzt. Ich finde diesen Gedanken jedoch unpassend. Vielmehr ist es doch ein Multi-dorf. Und jeder kann nicht nur Teil mehrerer Dörfer sein, sondern auch verschiedene Identitäten in diesen haben.

Marx schrieb in seiner Deutschen Ideologie, dass es möglich ist …

„heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden“ (Marx, Engels 1846, S. 33)

Eigentlich ein interessanter Zustand. Aber was genau hat dies nun mit Kommunismus oder vielmehr klassischem Marxismus zu tun? Grundsätzlich baut dieser Machtentwurf auf ein Gesellschaftsmodell auf. Marx hat seine Ideologie auf die wissenschaftliche Analyse der Gesellschaft aufgebaut, seiner Philosophie. Dieser Satz ist ein Teil dieser Idee von der kommunistischen Gesellschaft, die mit dem Marxismus angestrebt wird. Gerade dieser Aspekt macht deutlich, dass wir nicht in einer solchen Gesellschaft leben. Es soll zwar  philosophierende Ingenieure geben, die nie Philosophen waren und vielleicht nie Ingenieure. Wer aber ein Mal einen Beruf hat, was mit einer Identität gleich kommt, kann nur schwer etwas anderes sein. Grundsätzlich basiert Kommunismus auf einer Gleichheit aller Menschen.

Und ich denke, dass genau das im Internet möglich ist. Die Verbreitung der Technik führt dazu, dass sogar Menschen in Entwicklungsländern immer mehr Zugang zum Internet haben. Wer Zugang zum weltweiten Netz hat, hat grundsätzlich die gleichen Rechte wie jeder andere Internetnutzer, wenn man mal von Zensur absieht. Damit kann sich in dieser Gemeinschaft jeder frei verwirklichen, wie es Kommunismus erzielt. Außerdem kann er Teil mehrere Untergesellschaften sein, was eine weiter Abwandlung der Idee des analogen Kommunismus ist.

Zum Beispiel auf der Wikipedia kann eben wirklich jeder schreiben was er möchte, wie mein Lehrer das damals ganz treffend analysiert hat. Aber durch die dahinter stehende Community muss sich das eben nicht zwangsläufig durchsetzen. Es wird davon ausgegangen, dass Gruppen stets rationaler Handeln als Einzelpersonen. Dadurch entstehen diese sehr guten Artikel zu verschiedensten Themen. Ein anderer Aspekt ist, dass eine Institution wie beispielsweise der oft erwähnte Brockhaus Verlag leichter zu beeinflussen ist, als die gesamte Internetgemeinschaft. Dadurch entsteht eine große Freiheit im Internet.

Gegenspieler dieser Freiheit existieren in großen Internetfirmen, die wir alle kennen. Diese Nutzen das Internet zur Erzeugung von Gewinn. Dies macht Werbekunden zu den Hauptinteressenten und nicht die Gesellschaft an sich. Somit sind hier freie, wahre Informationen in Gefahr. Weil sie nicht Motivation von zum Beispiel facebook sind. Genau so wenig Interesse an unabhängigen Informationen haben Regierungen von totalitären Regimen, weshalb in diesen Ländern der Zugang zum kommunistischen Medium Internet stark eingeschränkt ist.

Ich denke es wurde klar, dass ich mit Kommunismus hier nicht die Ideologie in all ihren Feinheiten meine, sondern eher die generelle Idee. Diese lebt im Internet und ich hoffe sie wird nicht noch stärker eingeschränkt.

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