Von Menschen und Maschinen

Ich möchte heute eine weitere dieser Schnittstellen zwischen Ingenieurwesen und Geisteswissenschaften vorstellen, die mich sehr interessiert: Künstliche Intelligenz. Dieses interdisziplinäre Forschungsgebiet hat das Ziel Machinen Intelligenz zu geben. Somit die Artifizierung einer der menschlichsten Eigenschaften.

Es scheint sinnvoll zunächst zu definieren wie wir feststellen können, ob eine Maschine denken kann. Dies wäre das Ziel der Unternehmung Künstliche Intelligenz. Aber was ist das, Intelligenz? 1950 hat ein Mathematiker namens Alan Turing einen Test dafür vorgeschlagen: Ein Mensch befindet sich in einem Raum. In einem anderen Raum befinden sich ein Mensch und ein Computer. Kommunikation ist nur über ein Textinterface möglich. Kann der Mensch nun feststellen, ob er mit dem Computer oder dem anderen Menschen kommuniziert? Nach Turing kann man von einem denkenden Computer sprechen, wenn er von einem Menschen nicht zu unterscheiden ist.

Alan Turing

Alan Turing (Quelle: wikimedia.org)

Zu dem Zeitpunkt als er dies vorschlug war Turing gerade erst im Begriff den Grundstein unserer heutigen Computertechnik zu legen. Heute gibt es Computer die, zumindest unter gewissen Voraussetzungen, in der Lage sind den Turing Test zu bestehen. Aber macht dies den Computer intelligent? Kann man dadurch von einer denkenden Maschine sprechen?

Das wichtigste Argument gegen die Legitimität dieses Tests bezieht sich auf den Inhalt der Konversation: Nur weil der Computer auf jede Frage eine sinnvolle Antwort weiß bedeutet das nicht, dass er diese auch versteht. Wenn wir als Menschen Sprache benutzen, greifen wir mit Wörtern auf Repräsentationen in unserem Geist zurück. Maschinen dagegen benutzen diese Worte als leere Hüllen ohne deren Bedeutung zu kennen.

Grundsätzlich lassen sich diese Unterschiede auch bei Tieren diskutieren. Es ist fraglich, ob man davon sprechen kann, dass ein Hund versteht, dass es Essen gibt oder einfach in die Richtung läuft, aus der er Futter riecht. Diese Unterschiede lassen sich auf unterschiedliche Maße von Komplexität zurückführen. Meine Meinung ist, dass auch Maschinen einmal in der Lage sind, komplexe, intelligente Gedanken zu haben. Nur aktuell fehlt die nötige Rechenkapazität zu dessen Nachbildung. Damit sind Computer mit Tieren vergleichbar, oder wer hat einen Elefanten Schach spielen sehen?

Ein Zweig der Philosophie des Geistes, der diese Komplexität zu erklären versucht, ist der Konnektionismus. Diesem liegt die biologisch begründete Annahme zugrunde, dass das Gehirn aus vielen gleichen Einheiten besteht, und dass die Funktion durch deren Verbindungen definiert ist. Bei den Einheiten handelt es sich um Neuronen, bei den Verbindungen um Synapsen. Eine Repräsentation eines Gegenstandes der Welt oder eines gesprochenen Wortes kann als ein bestimmtes Muster aktivierter Neuronen verstanden werden. Dabei steht jedes einzelne Neuron für eine bestimmte, atomare Eigenschaft dieses Objekts, ohne das diese konkret zuzuordnen wären. Ein Lernprozess wird in diesem Modell als die Änderung der Verbindungsstrecken verstanden. Dann werden bei gleicher Stimulation andere Neuronen aktiv, wenn eine neue Eigenschaft des Objekts erlernt wurde.

Durch die Nachbildung eines solchen lernenden Netzwerks im Computer lassen sich komplexe Aufgabe wie Spracherkennung lösen. Dies ist eine Aufgabe die Computern tendenziell schwer fällt, während das Erkennen von Sprache für Menschen zu den grundlegendsten Fähigkeiten gehört. Somit ist es nicht verwunderlich, dass bei der künstlichen Spracherkennung ein menschliches Konzept wie die Struktur des Gehirns entliehen wird. Im Gegenzug erhofft man sich durch die Simulation neuronaler Netze aber auch neue Erkenntnisse für die Neurowissenschaft.

Es scheint, als sei unser Gehirn die Hardware, dessen Software der Geist ist. Doch da dies ein zumindest halb technischer Blog ist, kann das nicht alles sein. Die Philosophen Andy Clark und David Chalmers hatten die Idee, dass sich mentale Prozesse nicht nur im Gehirn abspielen. Dies nennt sich die Extended Mind Theorie. Zum Beispiel denke ich an einen Taschenrechner, der stets verfügbar ist und mit dem wir stets in der Lage sind schnell Rechnung durchzuführen. Wenn wir nun über etwas Nachdenken und in diesem Gedankengang eine Rechnung benötigen, dann können wir diesen nutzen. Wo ist nun der Unterschied, ob wir die Rechnung in unserem Kopf gemacht haben oder der Taschenrechner sie gemacht hat? In beiden Fällen können wir mit dem Ergebnis weiter nachdenken. Für eine komplizierte Rechnung hätten wir im Kopf deutlich länger benötigt. Also warum sollte das nicht der Rechner erledigen? Und warum ist er dann nicht Teil unseres Extended Mind?

Auch wenn der Gedanke im ersten Moment abwegig erscheint, finde ich doch das Konzept sehr interessant. Wenn man nämlich an den kleinen Rechner denkt, den heute jeder in der Tasche hat (auch Smartphone genannt), dann bekommt das Thema eine ganz andere Dimension. Besonders auch hinsichtlich der Daten die unsere mentalen Prozesse dort zurück lassen.

Wie gesagt finde ich das ganze Thema zwischen Menschen und Computern hochinteressant. Es ist auch genau das richtige für jeden Nerd oder SciFi-Fan. Zu der Person Alan Turing gibt es bald auch einen Film, der zwar zeitlich etwas vor der Entdeckung des Turing Test liegt (und damit mitten im 2. Weltkrieg) aber trotzdem recht vielversprechend wirkt.

empfehlenswerte Literatur zur Künstlichen Intelligenz

  • Die Wikipedia
  • Ein unterhaltsames, fiktives Gespräch über viele der hier angesprochenen Themen
  • Eine wissenschaftlichere Einführung in die Philosophie des Geistes
  • .. und natürlich alle Links in diesem Artikel

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