Haus am See

Es ist bestimmt ein tolles Gefühl, wenn man auf seinem eigenen Land steht. Wenn man ein Grundstück gekauft hat, kann man dieses Land seine Eigen nennen. Man darf aus seinem eigenen Stück der Welt tun und lassen was man will. Aber darf man wirklich alles? Warum darf man überhaupt Land besitzen? Und kann man?

Hofeinfahrt

Dieser kleine Staat am anderen Ende der Welt – Neuseeland – blickt mit gewissem Stolz auf seine Geschichte zurück. Speziell im Bezug auf den Umgang mit seinen Ureinwohner, und das besonders im Vergleich zu Australien. Viele Neuseeländer halten es für eine große Gesellschaftliche Errungenschaft, dass Ihre europäischen Vorfahren das Land, auf dem sie leben, von den Māori kauften anstatt diese, wie die Australier die Aborigines, abzuschlachten.

Dieser historisch belegbare Kauf des Landes gibt den heutigen Kiwis (Neuseeländern) das Recht auf ihrem Land zu leben. Interessant daran sind die Verkaufenden, die Māori: Sie haben eine Gegenleistung für ihr den Besitz ihres Landes erhalten. Dabei gibt es in der Kultur und im Glauben der pazifischen Ureinwohner so etwas wie den Besitz von Land gar nicht. Dieses uns so vertraute Konzept ist nicht vorgesehen. Stattdessen verleiht der Stammesführer Benutzungsrechte zum Beispiel für den Ackerbau auf einem bestimmten Teil seines Territoriums. Doch das gilt nur für die Benutzung  zu diesem vorgesehenen Zweck.

Wen die Geschichte der Māori nicht so interessiert, kann sich auch District 9 anschauen. Wobei ich vermute, dass auch Blomkamp und seine Frau sich beim Schreiben von den Māori inspirieren ließen, den auch die Aliens im Film werden von Land vertrieben und es kommt kurz zur Sprache, dass es keinen Sinn mache es ihnen abzukaufen, weil sie das Konzept von Besitz nicht kennen. Diese Geschichte hat mich auf die Idee gebracht, dass es vielleicht eine interessante Betrachtung wäre, wenn wir dieses Konstrukt unserer Gesellschaft in Frage stellen.

Die Vorteile von Landbesitz liegen auf der Hand. Man kann über dieses Land frei verfügen. Man muss sich zwar an Gesetze halten, aber diese unterscheiden sich, je nach Staat und anderen Verwaltungseinheiten zu denen das eigen Stück Land gehört. Wenn ich jetzt aber zum Beispiel einen Platz zum Leben brauche, ist es ganz praktisch, wenn mir diesen Platz niemand streitig macht. Aber so lange ich das Land besitze, habe ich auch das Recht dort meine Lager aufzuschlagen und sonst niemand. Man kann dieses Recht auch übertragen, was man allgemein als Vermieten bezeichnet. Dann erwirbt jemand anderes das Recht, mein Land zu nutzen. Ähnliches gilt für ein Unternehmen. Wirtschaftstheoretisch ist das Land dann Produktionsmittel. Und in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem besitzt jedes Unternehmen seine eigenen Produktionsmittel.

Wenn nun ein Minenbetreiber Land kauft, dann nutzt er dieses um es seinen Bodenschätzen zu entledigen. So ähnlich wie ein Scheich, der bemerkt, dass da eine klebrige schwarze Flüssigkeit aus der Erde kommt. Dann verkauft er das Öl natürlich. Aber womit macht er hier Geld? Nicht mit seiner Arbeit, wie es von der Putzfrau bis zum Geschäftsführer alle tun. Sondern mit Gütern, dem Öl. Aber dieses Öl kommt einfach aus dem Boden, aus der Natur. Müsste er dafür der Natur nicht etwas zurück geben? Nein das muss er nicht, weil ihm das Land gehört. Ich finde, hier einsteht ein Ungleichgewicht.

Dieses Ungleichgewicht wird ausgelöst durch das Konzept des Landbesitzes und die Illusion, alles mit seinem Land machen zu können, was man will. Ich muss zugeben, dass ich bisher keine bessere Idee auf Lager habe. Aber in vielen Ländern wird dies teilweise dadurch ausgeglichen, dass Naturschutzgesetze eingeführt werden. Doch Gesetze können die Ausbeutung der Natur nur bedingt verhindern. Besonders in wirtschaftlich schwachen Ländern sind solcher Gesetze nicht besonders weit entwickelt. Doch Natur gibt es überall unabhängig davon, ob die Gesellschaft bis zum Birkenstock-Sandalen-Stadium entwickelt ist oder nicht.

Das nur mal als Gedanke zum Landbesitz – Aber jetzt gehe ich mal kurz ein Haus kaufen.

2 Gedanken zu „Haus am See

  1. Krapotke

    Verdammt sei der erste, der ein Stück Land mit einem Zaun umgab, und sagte: ”Dies gehört mir.” und verdammt seien die Leute, die einfältig genug waren, ihm zu glauben.

    Antworten

Kommentieren