Anders als gedacht

Wenn man sich entscheiden hat, den besten Beruf der Welt zu erlernen und dafür ein Ingenieurstudium beginnt, muss man sich auf eine wichtige Verwandlung gefasst machen. Man wird vom Menschen zum Ingenieur. Man wird die Welt von nun an mit anderen Augen sehen. Allerdings hat diese Verwandlung nicht nur ihre guten Seiten. Spätestens beim Berufseinstieg erwarten einen auch 5 Enttäuschungen.

Energieverbrauch
Während man elektrische Schaltungen auf dem Papier entwickelt, kann man sich ausdenken was man will. Auch wenn man Messungen an Laboraufbauten macht, ist es in der Regel nicht wichtig, wie viel Strom das verbraucht. Doch spätestens wenn man ein echtes Produkt entwickelt, wird klar, dass man darauf achten sollte, wie viel Strom verbraucht wird. Egal ob man das im Hinblick auf die eigene Stromrechnung oder die Endlichkeit fossiler Energiereserven macht – nicht alles was man sich erdacht hat lässt sich auch mit Strom versorgen.

Ingenieur, Quelle Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0 de

Kosten kosten kosten
Ein weiterer Punkt schränkt einen schnell in der eigenen Kreativität ein, besonders, wenn man in einer Firma an kommerziellen Produkten arbeitet. Ein Ingenieur kann viel Ideen für innovative Produkte haben. Wenn diese allerdings nicht kostengünstig zu produzieren sind, werden sie nicht realisiert werden. Häufig ist es auch eine Aufgabenstellung für einen Entwickler, etwas kostengünstiger zu machen. Eventuell durch den Einsatz anderer Bauteile, weniger Material oder in welcher Form auch immer. Egal wie toll eine Erfindung ist – wenn sie nicht günstig ist, wird sie nicht produziert.

Mit Marketing verkauft sich alles
Im täglichen Leben als Ingenieur sind einem häufig technische Eigenschaften von Produkten wichtig. Man neigt eher dazu, eine Computer nach seiner Rechenleistung zu kaufen als andere Leute. So geht man davon aus, dass auch die eigene Arbeit zu einer technischen Verbesserung der Produkte führt, wodurch sich diese besser verkaufen. Doch leider sieht die Realität häufig ganz anders aus. Zum Beispiel verkauft die Firma Apple häufig technisch unterlegene Produkte deutlich besser als die Konkurrenz. Auch in deutschen Unternehmen ist es häufig die Marketing Abteilung, die darüber entscheidet, was ein Produkt kann. Als Ingenieur muss man das dann nur umsetzen.

Telefonieren statt entwickeln
Wenn man an seine Karriere als Ingenieur denkt, stellt man sich wohl hauptsächlich das Entwickeln von Technik vor. Allerdings gehört zu diesem Beruf auch sehr viel Organisation. Besonders zum Beispiel ein Auto ist ein besonders komplexes System. Diese Komplexität schlägt sich auch auf die Entwicklung der Komponenten nieder. Das führt dazu, dass es sehr viel Abstimmungsbedarf gibt. Und ehe man es sich versieht ist man den ganzen Tag mit Telefonieren beschäftigt um Schnittstellen des eigenen Bauteils zu anderen zu klären. Statt dessen würde man sich lieber mit der zu entwickelnden Komponente selbst beschäftigen.

Software statt Konstruktion
Noch vor einigen Jahren bestand die Arbeit für einen Ingenieur an einem bestimmten Produkt primär aus mechanischer Konstruktion oder auch der Entwicklung von elektrischen Schaltungen. Zwar sind solche Themen auch heute nicht vollständig verschwunden, doch werden sie zunehmend verdrängt. Wodurch? Durch Software. Zum einen merkt man das an der Arbeitsverteilung, zum anderen definiert heute hauptsächlich die Software wie ein Produkt funktioniert. Damit ist jetzt nicht nur ein Smartphone gemeint. Auch ein heutiger Staubsauger hat im Herz ein Computerprogramm.

Das sind zumindest alle Unterschiede die ich zwischen Studium Beruf erlebt habe. Fallen euch weitere ein? Dafür ist das Kommentarfeld da! Dort kann man den Blog auch abonnieren oder den Artikel für anderen Ingenieure und solche die es mal werden wollen teilen. Vielen Dank fürs Lesen.

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