Pflanze dir ein Winterkorn

Die VW Affäre schlägt zu Recht große Wellen. Was wird nun aus dem Dieselmotor, der Volkswagen immer so wichtig war? Was hat der gemeine Ingenieur damit zu tun? Und warum finde ich die Situation nur so witzig?

Ein guter Witz ist immer eine Geschichte. Diese beginnt im Jahr 2009 mit einem Bekenntnis. Während alle Hersteller zumindest über Elektromobilität nachdenken, stellt VW ein Dieselauto vor, das die Welt verbessern soll. Es war kein schlechtes Konzept auch wenn schon damals fast klar war, dass es nur beim Konzept bleibt. Die Firma Volkswagen wollte zeigen, was sie kann. Und was ihr Dieselmotor kann, natürlich.

Diesel sollte als eine ebenfalls sparsame Alternative zum Elektromotor platziert werden. Da bin ich ja schon mal notorisch skeptisch. Doch sind wir jetzt schlauer. Ohne die ein oder andere Mauschelei, scheint der Diesel nicht das zu leisten, was von ihm damals erwartet wurde. Vielleicht ist er effektiv aber auf keinen Fall sauber.

Außerdem dürfte allen klar sein, dass das was die US-Umweltschutzbehörde EPA gefunden haben nur die Spitze des Eisbergs ist. Und, dass solches Vorgehen wäre in Deutschland wahrscheinlich niemandem aufgefallen wäre – dank wachsweicher Richtlinien, durch erfolgreiche Lobbyarbeit.

Audi Truth in Engineering

Audi [copyright: flickr:unofficialaudiblog]

Keine Lobbyisten sondern Ingenieure waren es aber, die diese „Sonderfunktion“ in das Motorsteuergerät eingebaut haben. Es ist anzunehmen, dass sie dies aber nicht aus eigenem Antrieb taten. Vermutlich wurde die Verantwortung von Vorgesetzten übernommen. Bis wie hoch in die Hierarchie diese Verantwortungsübertragung vorgedrungen ist, lässt sich schwer von außen beurteilen. Fakt ist, dass dieser Spezialmodus nicht von einem Entwickler allein „untergemogelt“ werden konnte. Dafür gibt es in der Automobilbranche viel zu Dichte Qualitätskontrollen. Jede Zeile Code, die für einem Auto programmiert wird, geht über viele Schreibtische.

Entgeht damit aber tatsächlich der einzelne Entwickler der Verantwortung? Interessant dazu ist die Morphologische Matrix der Verantwortungstypen nach Ropohl (aus Das Risiko im Prinzip Verantwortung), wie sie hier ganz anschaulich dargestellt ist. Nach Ropohl trägt eine Korporation, in diesem Fall VW, die Verantwortung für das Produkt. Dahingegen das Individuum, hier der Ingenieur, für die Handlung.

Somit ist klar, dass auch der einzelne Ingenieur die Verantwortung zu tragen hat. Zum Beispiel dafür, diese Funktion programmiert zu haben, aber auch dafür, die Öffentlichkeit nicht darüber informiert zu haben. Rophol spezifiziert auch, wovor er sich verantworten muss: Vor seinem Gewissen.

Doch leider war Whistleblowing in Automobilfirmen bisher nicht sehr verbreitet. Womöglich lag das an der Illusion der abgegebenen Verantwortung. Und ein Martin Winterkorn der nach kurzem hadern zurücktritt wirkt, als übernähme er die Verantwortung.

Damit fehlt dem Witz zwar eine echte Pointe. Dafür hat er aber einen Lerneffekt. Und mit Spaß lernt es sich doch immer noch am Besten.

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